Tirol 1373 - 1395

    Tirol 1373: Die großen Pestwellen (1348 – 53) sind vorbei und das Land im Gebirge ist seit zehn Jahren Teil der Habsburger Erblande. Regent ist Herzog Rudolf IV. „der Stifter“, der Tirol 1363 von Margarete von Tirol, genannt „Maultasch“ mangels Erben übertragen bekommen hatte. Seitdem kontrollieren die Habsburger die wichtigsten Passverbindungen der Nord-Süd-Handelsroute zwischen Deutschland und Italien. Nachdem der Herzog von Österreich überraschend am 27. Juli 1365 in Mailand stirbt, fällt das begehrte „Land ob der Etsch und im Inntal“ an seine jüngeren Brüder Albrecht III. (damals 15 oder 16 Jahre) und Leopold III. (14 Jahre), die gemeinsam hätten regieren sollen, sich aber bald heillos zerstreiten und ihren Besitz 1379 im Vertrag von Neuberg teilen. Fortan ist Leopold III. „der Gerechte“ der Graf von Tirol.

    Tirol 1379: Leopold III., der von zeitgenössischen Chronisten als ehrgeizig und tatendurstig beschrieben wird, weiß schon bald seinen Einflussbereich und seine Ländereien auszuweiten. Zwischen 1368 und 1386 erwirbt er durch politisches Geschick, finanzielle Kaufkraft und Erbfolge Freiburg im Breisgau, Besitztümer in Istrien und der Windischen Mark, Feldkirch (1375), Triest (1382) und Laufenburg in der Schweiz. Weiters hält er die Reichsvogtei über Basel und kann die Stadt ab 1376 für eine Dekade unter habsburgische Dominanz bringen.

    Durch gezielte Privilegienvergabe an die Städte (zB Bozen, Meran) versucht Leopold III. „der Gerechte“ in den 1380er Jahren, den Handel zu fördern und trägt somit zum Aufstieg des Bürgertums in den Tiroler Städten bei. Als er 1386 in Sempach im Kampf gegen die Schweizer Eidgenossen stirbt, fällt Tirol zurück an seinen Bruder Albrecht III., der als Vormund für Leopolds unmündige Söhne fungiert und regiert.

    Tirol 1395: In diesem Jahr scheidet auch Albrecht III. dahin und das Land wird zum Zankapfel der Habsburger Erben, bis sich 1406 schließlich Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ als Landesfürst durchsetzen kann.


    Zeittafel

    1373 Die Habsburger Herzöge Albrecht III. und Leopold III. teilen sich die Regentschaft Tirols
    1379 Vertrag von Neuberg - Tirol geht an Leopold III., „der Gerechte“
    1380er Stadtprivilegien verhelfen dem Bürgertum zum Aufstieg
    1386 Leopold III. fällt bei Sempach im Kampf gegen die Eidgenossen, sein Bruder Albrecht III. übernimmt wieder die Regierungsgeschäfte in Tirol
    1395 Nach dem Tode Albrechts III. erbt dessen Sohn Albrecht IV. die Regentschaft, aber schon bald gelingt es den Söhnen Leopolds, wieder an der Regierung teilzuhaben.


    Wirtschaftsmacht Tirol

    Wegen seiner geostrategischen Lage als Passland, dem finanziellen Reichtum durch Salzbergbau und Innschifffahrt sowie seiner Brückenfunktion für die habsburgischen Besitzungen im Südwesten, den Vorlanden oder Vorderösterreich, wussten die Habsburger Tirol als eines ihrer Kernländer zu schätzen.

    Der Kaufmannsstand in Tirol
    Über Kaufleute und Verkehrswege im Tirol des 13. und 14. Jahrhunderts (.pdf, 483 KB)


    Die einflussreichsten Tiroler Städte und wirtschaftlichen Zentren im
    14. Jahrhundert sind:

    Meran – Stadt seit 1317 – war im 14. Jahrhundert die Hauptstadt der Grafschaft Tirol und wurde von Leopold III. mit zahlreichen landesfürstlichen Privilegien zur Förderung des Handels ausgestattet;

    Bozen – Stadt seit 1265 – dominierte als DAS Handelszentrum Tirols auch das wesentlich früher mit dem Stadtrecht ausgestattete Innsbruck und erhielt 1381 von Herzog Leopold III. zusammen mit einem Ratsprivileg sein Stadtwappen;

    Hall in Tirol - Stadt seit 1303 – lag nicht nur auf der Italien-Transitroute, sondern war als Hafen der Innschifffahrt und der Haller Saline auch ein wichtiges Handelszentrum;

    Innsbruck – Stadterhebung zwischen 1187 und 1205 – erlangte Bedeutung als Zollstation, die den ostalpinen Handelsverkehr über die Brennerstrecke (Via Raetia) schleuste, welche bereits um 1300 befestigt und weitgehend mit Wagen befahrbar war, während die anderen Alpenübergänge wie die Via Claudia Augusta noch längere Zeit nur mit Saumtieren begehbar blieben;


    Quellen

    • Brandstätter, Klaus (2000): Aktionsradius und wirtschaftliche Orientierung städtischer Eliten in Tirol im späten Mittelalter. In: Ville et montagne - Stadt und Gebirge, redigiert von Thomas Busset, Luigi Lorenzetti und Jon Mathieu (Histoire des Alpes - Storia delle Alpi - Geschichte der Alpen 5), Zürich 2000, S. 45-61
    • Stolz, Otto (1932): Zur Verkehrsgeschichte des Inntales im 13. und 14. Jahrhundert. Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 012: S. 69–109
    • http://www.tirolmultimedial.at/tmm/themen/0507.html
    • Landesarchiv Tirol
    • Wikipedia